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Wäre es nicht toll mit Hilfe 6 einfacher Tricks zum super erfolgreichen Bogenschützen zu mutieren?

Aber was wäre dann, wenn alle diese Tricks kennen würden?

Ganz so einfach ist es nicht, daher sprechen wir hier auch nicht von einfachen Tricks sondern von Methoden. Wenn Du aber diese Methoden konsequent anwendest, kannst Du wirklich Deine Ziele im Bogensport erreichen.

Leitfaden: 6 Methoden zum erfolgreichen Bogenschützen

Was unterscheidet einen Weltmeister von einem Hobbyschützen

Urheber: Richard Zimmer, alle Rechte vorbehalten

Vorab ein paar wichtige Informationen

  1. Es geht in diesem Leitfaden nicht darum, wie richtig mit Pfeil und Bogen umgegangen wird. Es gibt viele Möglichkeiten zu nennen, wie man Bogenschießen erlernen kann. An erster Stelle stehen hier die Vereine, in denen viele Tausend Ehrenamtliche bemüht sind, Anfänger an die Kunst des Bogenschießens heranzuführen. Es geht auch nicht darum, welche Disziplin einer anderen vorzuziehen ist. Sei es nun das traditionelle, das intuitive, das olympische oder eine der asiatischen Arten des Bogenschießens. Alle diese Spielarten haben ihren eigenen Reiz. Das Bogenschießen ist eine der schönsten Sportarten, es ist für alle Altersgruppen von vier bis 90 Jahren und bei allen möglichen Einschränkungen geeignet.
  2. Dieses Dokument wertet die Beobachtung von über Fünftausend Bogensportlern aus. Es spiegelt viele Jahre intensiver Arbeit nicht nur mit dem Bogensport wieder. Daher unterliegt dieses Dokument in seiner Gesamtheit dem Urheberschutz. Der Autor Richard Zimmer und das BOGENPARADIES erlauben die Weitergabe dieses Dokuments, vorausgesetzt es wird im Ganzen und vollkommen unverfälscht weitergegeben. Jegliche Veränderung, Weiterverarbeitung, Übersetzung oder kommerzielle Nutzung, auch auszugsweise sind ausdrücklich NICHT gestattet.
  3. Gut gemeinte Kommentare und Hinweise nehmen wir am Ende dieses Beitrags sehr gern entgegen.
  4. Einige der beschriebenen Methoden sind einfacher umzusetzen, andere sind aufwendiger. Einige, wie das Kaufen neuer Pfeile, kosten Geld, andere sind reine Fleißaufgaben. Einige der Methoden kannst Du nur selbst ausführen, andere kannst Du z. B. auf Deinen Trainer auslagern oder Du lässt Dir von Fachleuten helfen. Wie Du diese Methoden umsetzt, bleibt Dir überlassen.

Wichtig ist: Nur alle Methoden gemeinsam bringen Dich zum wirklichen und dauerhaften Erfolg!

So, jetzt aber viel Spaß beim Lesen und Lernen!

Methode 1: Schieße immer die gleichen Pfeile

Gerade bei Anfängern ist es weit verbreitet, dass sie die Kosten für Pfeile reduzieren möchten. Häufig werden gebrauchte Pfeile geschossen. Nachdem einige Pfeile kaputt gegangen sind, werden neue hinzugekauft, es wird in unterschiedlichen Geschäften eingekauft (nicht jedes bietet das gleiche Material), unterschiedliche Merkmale werden ausgetestet. Du musst wissen, jeder Pfeil besteht aus bis zu zehn Einzelteilen. Jedes dieser Teile gibt es in unterschiedlichen Materialien, Ausführungen, Formen, Größen, Gewichten, Stärken und Farben. Bei jeweils nur zehn Ausprägungen dieser Parameter (und wenn wir die Farben außer acht lassen) könnte man daraus bereits 10^6 mehr eine Million unterschiedliche Pfeile bauen.

Alle diese Pfeile werden ein etwas unterschiedliches Flugverhalten haben.

Bei der Komplexität des Bogenschießens, sich auch noch bei jedem Schuss auf das Flugverhalten eines anderen Pfeils einzustellen ist unmöglich. Entsprechend ist es unmöglich, mit unterschiedlichen Pfeilen ein konstantes Trefferbild zu erzielen.

Also, experimentiere, bis Du die zu Dir passenden Pfeile gefunden hast. Lasse Dich dabei von dem Fachhändler Deines Vertrauens beraten. Insbesondere lasse die Pfeile auf Dich, Deinen Bogen und Deinen Schießstil abstimmen. Und dann investiere in einen ordentlichen Satz Pfeile. Mindestens ein Dutzend und schieße nur noch diese Pfeile. Keine anderen. Bis Du, aus welchen Gründen auch immer, auf einen anderen Satz Pfeile wechselst und dann nur noch die neuen schießt!

Methode 2: Verstelle nicht ständig Bogen oder Visier

Häufig sieht man Bogensportler, die nach jeder Passe Ihr Visier verstellen, mal ein wenig nach links, dann wieder nach rechts. Dies gilt natürlich zuerst nur für Schützen, die ein Visier verwenden. Aber auch mit dem Blankbogen und selbst mit traditionellen Bögen kann man das Gleiche erreichen, indem man den Plunger-Button verstellt, seine Anker- oder Zielpunkte verändert. Weiterhin kann man den Tiller des Bogens, die Pfeilauflage, den Nockpunkt, die Standhöhe, das Zuggewicht und noch einiges mehr verstellen. Jede dieser Einstellungen verändert das Schussverhalten und zieht andere Einstellungen nach sich. Wie kann jemand erwarten, dass er einen konstanten Schuss entwickeln kann, wenn er ständig an seinem Bogen herumschraubt? Suche Dir einen Fachmann, entweder in einem guten Bogensport-Fachgeschäft, wie dem BOGENPARADIES im Rhein-Main-Gebiet oder einen guten Trainer in einem Bogensportverein. Vergewissere Dich davon, dass dieser Fachmann sich wirklich auskennt (nicht der mit dem größten Selbstbewusstsein, sondern der mit der größten Erfahrung). Lass diesen Fachmann Deinen Bogen einstellen, vielleicht erklärt er Dir bei der Gelegenheit, was er macht und warum er es macht. Nach der Grundeinstellung muss der Bogen ausgeschossen werden. Dies kann der Fachmann leider nicht für Dich machen, das musst Du mit ihm gemeinsam tun. Der Knackpunkt, beim Ausschießen kommt es auch auf den Schützen an. Das Ausschießen kann also nur so gut gemacht werden, wie Du schießen kannst.

Nachdem der Bogen ausgeschossen ist, dokumentiere alle Einstellungen an Deinem Bogen und auf welche Pfeile der Bogen eingestellt ist. Dies ist wichtig, damit Du diese Einstellungen jederzeit wieder herstellen kannst, falls sich etwas gelockert oder anderweitig verändert hat.

Selbstverständlich sind an manchen Bögen mehr Schrauben als an anderen. Bei Traditionellen-, Lang- und Jagdbögen z. B. kann man meist fast nicht verstellen. Hier musst Du dem Bogenbauer vertrauen und dann das Tuning ausschließlich über die Sehne und die verwendeten Pfeile machen. Selbstverständlich bleibt die Option den gesamten Bogen zu wechseln und einen besser zu Dir passenden zu finden. Bei Blankbögen gibt es bereits mehr zu verstellen, hier kannst Du zusätzlich mit den Tillereinstellungen, der Pfeilauflage, dem Plunger-Button und Gewichten die Abstimmung des Bogens verändern. Am meisten kannst Du bei den Olympischen und den Compound-Bögen einstellen.

Ein korrekt für Dich und Deine Pfeile optimierter Bogen muss exakt geradeaus schießen. Wenn also beim normalen Gebrauch des Bogens etwas zu verstellen ist, so ist es ausschließlich die Höhe des Visiers, die an die Entfernung zum Ziel angepasst wird. Alles andere solltest Du im normalen Schießbetrieb nicht verstellen. Wenn sich das Trefferbild von einem Trainingstag auf den anderen verändert, so liegt es normalerweise nicht am Bogen, sondern am Schützen! Es gibt daher keinen Grund, die Einstellung Deines Bogens zu verändern. Vielmehr solltest Du erforschen, welche Einstellung sich an Dir geändert hat, um diese dann zu korrigieren. Natürlich können sich Schrauben lockern und dadurch kann sich die Abstimmung Deines Bogens verändern. Dies kommt im Trainingsalltag sogar recht häufig vor. Immer auf festen Sitz geprüfte aber nicht überdrehte Schrauben verhindern dies. Falls es doch einmal passieren sollte, so hast Du ja Deine Einstellungen dokumentiert und kannst sie sofort wieder herstellen.

Es gibt eine einzige Ausnahme: Sollte sich Dein Trefferbild in einem Turnier verlagert haben und kann nicht sofort wieder hergestellt werden (das passiert Anfängern gern) so scheint es gerechtfertigt, z. B. das Visier auch in der Waagerechten nachzustellen, um den Erfolg des Turniers nicht zu gefährden. Merke Dir aber diese Änderung genau, damit Du sie nach dem Turnier sofort wieder rückgängig machen kannst.

Also befolge die Methode Nr. 2 und verstelle nicht ständig Deinen Bogen oder Dein Visier!

Methode 3: Mache Dir einen Schussablauf und befolge ihn

Der dokumentierte Schussablauf ist eines der wichtigsten Hilfsmittel für das Tuning des Bogenschützen, leider weigern sich die meisten, dieses Hilfsmittel konsequent einzusetzen. Wie funktioniert der dokumentierte Schussablauf? Schreibe mit Deiner Textverarbeitung ein Dokument, in dem Du den Ablauf eines einzelnen Schusses festlegst. Der Schussablauf beginnt nach dem Einnehmen des Stands an der Schießlinie oder dem Pflock und dem Einlegen des Pfeils in den Bogen.

  • Ein ganz einfacher und grober Ablauf könnte z. B. so aussehen:
  • Positionieren der Zughand
  • Positionieren der Bogenhand
  • Einnehmen der Körperhaltung
  • Einstellen der Kopfhaltung
  • Anheben des Bogens
  • Ausziehen und Ankern
  • Zielen
  • Schießen
  • Nachhalten

Dieser ganz grobe und vereinfachte Schussablauf beinhaltet bereits Punkte, wie z. B. das Nachhalten, welche von vielen Bogenschützen nicht beachtet werden. Diesen Schussablauf speicherst Du nun mit der Versionsnummer eins ab. Wenn Du nun zum Bogentraining gehst, druckst Du Dir den gesamten Schussablauf oder nur einen kleinen Teil davon mit sehr großem Zeilenabstand aus und nimmst ihn mit. Während des Trainings optimierst Du nun einen Teil Deines Schussablaufs.

Du könntest z. B. den ersten Punkt - Positionieren der Zughand - unterteilen in:

  • Den Daumen an den kleinen Finger legen
  • Darauf achten, dass die Sehne bei allen drei Fingern genau im ersten Gelenk liegt
  • Den Abstand von Zeige- und Mittelfinger etwas vergrößern, sodass der Pfeil nicht berührt wird
  • Das Leder des Ankertabs von oben gegen den Nockpunkt schieben (um eine exakte vertikale Position des Tabs zu erhalten)
  • Die Zughand absolut entspannt halten

Diese Erkenntnisse schreibst Du von Hand in Deinen ausgedruckten Schussablauf. Zuhause angekommen überträgst Du sie in Dein Dokument und speicherst als Version zwei ab. Wichtig ist, dass Du Deinen Schussablauf erweiterst, solange noch alles frisch in Deinem Kopf ist.

Ist Dir aufgefallen, dass in diesem Beispiel vom Mediterranen Griff ausgegangen wird? Wenn Du anders schießt, solltest Du es entsprechend anders dokumentieren.

Hebe ruhig alle Versionen Deines Schussablaufs auf. Zum Einem kannst Du später nachverfolgen, wie er entstanden ist, zum Anderen kannst Du dann immer wieder zu einer älteren Version zurückkehren, wenn sich herausstellt, dass eine Anpassung des Schussablaufs nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.

Ein guter Schussablauf beinhaltet mindestens 60 Schritte, um einen einzigen Pfeil abzuschießen. Diesen Schussablauf lernst Du auswendig und sagst ihn Dir bei jedem Schuss auf.

Wichtig dabei ist, jeden Schritt exakt auszuführen, während Du ihn Dir aufsagst.

Wozu der Aufwand mit dem Schussablauf?

Der Schussablauf ist eine der wichtigsten Errungenschaften in der modernen Trainingspraxis. Es gibt drei Gründe dafür, sich die große Mühe zu machen mit einem Schussablauf zu arbeiten.

a. Scope Creep

Scope Creep ist ein schlimmes neudeutsches Wort und bedeutet so viel wie eine „schleichende Veränderung“.

Stell Dir einfach vor, zwischen zwei einzelnen Schüssen verändert sich Deine Körperhaltung um einen einzigen tausendstel Millimeter. Du wirst sagen, so etwas macht sich im Trefferbild nicht wirklich bemerkbar und vermutlich hast Du damit Recht.

Obwohl – bei 90 Metern Distanz und einem X mit einem Durchmesser von nur 6,1 cm?

Stell Dir weiter vor, Du schießt in einer Trainingseinheit etwa 200 Pfeile und machst als motivierter Sportler drei Trainingseinheiten in der Woche.

Wenn sich nun Deine Körperhaltung bei jedem Schuss nur um einen einzigen tausendstel Millimeter verändert, dann ergibt sich daraus (bei monatlich 12 Trainingseinheiten zu je 200 Pfeilen) nach einem einzigen Monat eine Änderung von 2,4 Millimetern. In einem viertel Jahr sind es bereits über sieben Millimeter!

Mit einer solchen Abweichung würdest Du auf Wettkampfdistanz vermutlich noch nicht einmal die Zielscheibe treffen, geschweige denn die Zehn oder das Kill oder worauf immer Du es angelegt hast.

b. Prozessoptimierung

Prozesse findet man im heutigen Leben überall. Ist Dir schon aufgefallen, dass die Kassierer an der Supermarktkasse heutzutage immer einen standardisierten Ablauf ausführen?

Zuerst ein Gruß, danach warten bis der Einkaufswagen in der richtigen Position steht, eventuell ein Blick in den Spiegel um zu sehen, ob Du etwas hinter Deinem Rücken versteckst.

Erst wenn alles vorbereitet ist, beginnt der Vorgang die Waren vom Fließband zu nehmen und abzurechnen.

Was ist aber der Vorteil einer solchen Vorgehensweise?

An der Kasse wurde ein Prozess eingeführt. Der wahre Vorteil von Prozessen liegt darin, dass sie dokumentiert sind.

Warum ist das ein Vorteil?

Weil sich nur dokumentierte Prozesse vernünftig optimieren lassen!

Stell Dir vor, Du möchtest Deinen Schießstil verbessern.

Wo fängst Du an?

Wenn Du nun einen festgelegten und dokumentierten Schussablauf hast, dann kannst Du Dir eine einzige Stelle herauspicken und diese verändern. Du weißt natürlich, jede Änderung bringt zuerst einmal ein schlechteres Ergebnis. Also übernimmst Du diese Änderung in Deinen (dokumentierten) Schussablauf und trainierst eine Weile mit dieser Änderung. Nach einer gewissen Zeit analysierst Du, ob die Änderung Deine Leistung verbessert, nicht beeinflusst oder gar verschlechtert hat. Dann kannst Du entscheiden, ob Du diese Änderung permanent in Deinen Schussablauf aufnimmst oder wieder verwirfst und zum alten Stand Deines Schussablaufs zurückkehrst.

Nicht zuletzt bewahrt Dich Dein Schußablauf davor mit den Gedanken abzuschweifen. Im Wettkampf (also immer wenn Du Pfeile verschießt) denkst Du ausschließlich an Deinen Schußablauf, nicht an die Gegener, nicht an den Druck, gerade jetzt einen guten Schuss zu landen, sondern ausschließlich an Deinen Schußablauf.

Also, befolge die Methode 3, schreibe Dir einen Schussablauf und befolge ihn!

Methode 4: Brich einen unstimmigen Schussablauf ab

Hattest Du nicht auch schon einmal das Gefühl, dass Du bereits kurz vor dem Schuss wusstest, dass dieser Pfeil nicht so gut ins Ziel gehen wird?

Hattest Du auch bereits das Gefühl, dass ein Pfeil absolut perfekt ist, dass er kerzengerade, wie an einer Schnur gezogen flog und dann auch exakt die Mitte traf?

Dann geht es Dir wie dem Feuerwehrmann, der bereits kurz vorher wusste, dass es gleich eine Explosion geben wird, ohne dass es erkennbare Hinweise gab.

Erfahrene wissen intuitiv, was richtig ist und was nicht!

Was ist Intuition?

Intuition ist die Fähigkeit, ohne jegliche bewusste Analyse, komplexe Zusammenhänge zu bewerten.

Ohne jegliches, bewusstes Nachdenken weißt Du, ob Du alles richtig gemacht hast, ob Dein Schussablauf stimmig ist oder nicht.

Daher gibt es jetzt eine Entscheidung zu treffen.

Beendest Du den Schuss, den Du ja bereits zu weit über 90 % ausgeführt hast? Oder setzt Du lieber ab und beginnst Deinen gesamten Schussablauf noch einmal von vorn?

Diese Entscheidung ist schwer und muss in kürzester Zeit getroffen werden. Du hast in diesen Schuss schon so viel investiert, nehmen wir einmal an, Du hättest von Deinem, 60 Einzelschritte umfassenden Schussablauf. schon 57 Einzelschritte ausgeführt. Das entspräche 95 % die bereits erledigt sind. Noch die letzten drei einfachen Schritte z. B. loslassen, nachhalten, bewerten – und schon bist Du fertig.

Was wäre die Konsequenz den Schuss abzubrechen oder nicht?

Stell Dir vor, Du schießt auf eine Zielscheibe mit zehn Ringen. Stell Dir weiter vor, Du triffst im Durchschnitt immer in die Neun. Stell Dir auch noch vor, Dein vierter Pfeil aus einer Passe mit sechs Pfeilen, von dem Du bereits kurz vor dem Lösen weißt, dass er nicht gut sein wird, trifft die Sechs.

Was müsstest Du leisten, um den schlechten Schuss zu kompensieren?

Du schießt, das bedeutet: 3 x 9 + 6 = 33 Ringe anstelle von 4 x 9 = 36 Ringen.

Also, selbst wenn Du die restlichen zwei Pfeile, überdurchschnittlich gut, genau in die Zehn schießen würdest, könntest Du den Fehler nicht mehr kompensieren. Du müsstest darüber hinaus auch noch die nächste Passe überdurchschnittlich gut schießen, nur um diesen einen schlechten Schuss auszugleichen.

Jetzt stell Dir vor, Du würdest den als schlecht erkannten Schuss kurz vor dem Lösen erkennen, den Schussablauf abbrechen und ganz von vorn beginnen.

Du würdest wie üblich, mit dem vierten Pfeil eine Neun schießen, danach die drei überdurchschnittlichen Zehner. Du hättest plötzlich mit sieben Pfeilen 66 Ringe auf dem Schießzettel stehen, anstelle Deiner üblichen 63 Ringe. Nur durch ein einziges Absetzen im gesamten Turnier hättest Du bereits drei Ringe mehr im Endergebnis.

Schau Dir einfach mal die Ergebnislisten an, Du wärst gleich um Klassen besser, wenn nicht sogar auf dem ersten Platz. Noch viel gravierender wäre der Unterschied, wenn Du Fita in der Halle auf Dreierspots schießen und mit dem einem verpatzten Pfeil ein M anstelle Deiner durchschnittlichen Neun schießen würdest.

Ich überlasse es Dir nachzurechnen, wie viele Überdurchschnittliche Pfeile Du schießen müsstest, um diesen einen Patzer auszugleichen.

Nicht umsonst gilt die Regel für Anfänger: Du darfst alles treffen, nur keine M‘s schießen!

Lange Rede kurzer Sinn

Gewöhne Dir im Training Folgendes an: Sobald Du das Gefühl hast, ein Pfeil wird nicht gut werden, brichst Du den Schussablauf sofort ab!

Egal, wie weit Du bereits fortgeschritten bist. Solltest Du Dich in der Reihenfolge vertan oder einen Schritt ausgelassen haben oder solltest Du das Gefühl haben, dass irgendetwas nicht stimmig ist ohne zu wissen was oder warum, dann brich diesen Schuss ebenfalls sofort ab.

Stelle den Bogen zurück auf Deinen Fuß, atme einmal durch und beginne Deinen Schussablauf wie gewohnt von vorn!

Mache das bei jedem Pfeil!

Egal ob im Training, auf irgendeinem Spaßturnier oder auf der deutschen Meisterschaft!

Nur so kannst Du den Entscheidungsprozess automatisieren und aus einer bewussten Entscheidung eine unbewusste Entscheidung machen.

Unter Wettkampfdruck kannst Du Dir keine bewussten (Fehl-) Entscheidungen leisten.

Befolge die Methode 4 und brich jeden Schuß ab, der nicht einwandfrei ist!

Methode 5: Dokumentiere und werte jedes Training aus

Etliche Schützen schießen im Training entspannt gute Pfeile. Nach einer Zeit ermüden sie und schießen dann nur noch als Krafttraining weiter, das Trefferbild wird immer schlechter. Je fortgeschrittener die Trainingszeit wird, desto weniger Mühe geben sie sich, gut zu schießen.

Ich höre dann Aussagen wie: „Ich bin schon durch, ich schieße nur noch als Krafttraining.“

Auf diese Weise gewöhnst Du Dir schlampiges Schießen an. Auch im Wettkampf wirst Du automatisch schlampiger schießen, sobald Du Müde wirst.

Besser ist, Du stellst Dir, jedes Mal, wenn Du Deinen Bogen in die Hand nimmst, vor, Du stündest gerade im Wettkampf. Erfasse alle Schüsse auf einem Schießzettel oder mithilfe der App auf Deinem Smartphone. Werte jede Trainingseinheit aus, vergleiche mit den anderen Trainingseinheiten. Wenn Du Müde wirst, mache eine kurze Pause. Wenn Du Krafttraining machen möchtest, dann lege Deinen Bogen beiseite und gehe ins Fitnessstudio.

Eine übliche Trainingseinheit im Bogensport umfasst etwa zwei Stunden. Ein Turnier dauert meist sogar drei Stunden.

So lange kann sich kein Mensch voll und ganz konzentrieren.

Mach einfach mal den Versuch und höre beim Autofahren zur vollen Stunde die Nachrichten im Radio an.

Schaffst Du es, allen Nachrichten, ohne die kürzeste Unterbrechung, zu folgen?

Spätestens bei der Zusammenfassung der Meldungen am Ende wirst Du feststellen, dass Du etwas verpasst hast.

Und das, obwohl die Nachrichten meist weniger als fünf Minuten lang sind.

Sei beim Bogenschießen entspannt, sage Dir Deinen Schussablauf bei jedem Pfeil auf, konzentriere Dich nicht zu 100 % auf den gesamten Schussablauf. Steigere Deine Konzentration zum Ende des Schussablaufs mit der höchsten Konzentration beim Lösen des Schusses.

Während des Nachhaltens und Analysierens, darfst Du Dich bereits wieder entspannen.

Analysiere Deinen Schuss so, wie Du es bei einem anderen machen würdest. Ärgere Dich nicht über einen misslungenen Pfeil und freue Dich nicht über einen Zehner.

Überlege einfach, was an diesem Pfeil besonders gut oder schlecht war und achte beim nächsten darauf, diese Erkenntnis umzusetzen.

Nimm, sobald Du es schaffst Dein Ziel zu treffen, an Wettkämpfen Teil.

Nichts ist frustrierender als lange Zeit intensiv zu trainieren, bis Du gut bist, dann auf einen Wettkampf zu gehen und dort so aufgeregt zu sein, dass Du vor lauter Zittern keinen Pfeil vernünftig schießen kannst.

Gehe auf die ersten Turniere mit dem Ziel, den letzten Platz zu ergattern.

Wenn Du dies schaffst, freue Dich darüber. Sage Dir stolz: „Ich wollte den letzten Platz erreichen, dass habe ich geschafft!“

Irgendwann wird jemand kommen und Dich von Deinem letzten Platz vertreiben. Sei ihm nicht böse, er hat vermutlich auch diesen Leitfaden gelesen. ;-)

Je mehr Turniere Du mitschießt desto besser!

Wettkämpfe zu schießen ist das, was Du willst!

Für Dich darf es keinen Unterschied geben, zwischen einer Trainingseinheit auf Deinem Heimatplatz oder einer Trainingseinheit auf einem Turnier!

Was kannst Du machen, wenn Du allein vor Deinem Ziel stehst?

Trage einfach einen Wettkampf gegen Dich selbst aus. Versuche ein besseres Ergebnis zu schießen, als beim letzten Training.

Jeder Schütze tritt sowieso immer nur gegen sich selbst an, gegen seine eigene Unzulänglichkeit, gegen seine eigene Trägheit, gegen seinen eigenen inneren Schweinehund, gegen seine eigene Nervosität …

Das zu wissen ist gut, also tritt gegen Dich selbst an und besiege Dich!

So wirst Du lernen, wie es ist, wenn Du der Sieger ist und Du wirst lernen, wie es ist, wenn Du es nicht schaffst, besser zu sein, als beim letzten Mal.

Also, wende die Methode 5 an, dokumentiere jedes Training und werte es aus!

Methode 6: Suche Dir einen zuverlässigen, kompetenten Trainer oder zumindest einen Trainingspartner

Erinnerst Du Dich?

Wir hatten bereits über Scope Creep gesprochen.

Selbst mit einem noch so detaillierten Schussablauf wirst Du Scope Creep erleben. Daher ist es wichtig, einen erfahrenen Trainer zu haben.

Du übst besser zu schießen.

Er übt Fehler besser zu erkennen und Dich freundlich und fördernd darauf hinzuweisen.

Du verbesserst Deine Schießtechnik.

Er verbessert seine Techniken in der Wissensvermittlung und Motivation.

Wenn Du keinen Zugriff auf einen kompetenten Trainer hast, so suche Dir zumindest einen Trainingspartner. Beobachtet Euch gegenseitig, gebt Euch Hinweise.

Sehr gut ist es, wenn Ihr Euch genseitig fotografiert und filmt!

Seht Euch die Bilder und Filme gemeinsam an, Letztere gern in Zeitlupe und analysiert gemeinsam, was Ihr gut macht und was Ihr verbessern möchtet.

Also, wende Methode 6 an und suche Dir einen zuverlässigen, kompetenten Trainer oder zumindest einen Trainingspartner

Zusammenfassung

Folgende Methoden machen aus einem Hobbyschützen einen erfolgreichen Leistungssportler:

Methode 1: Schieße immer die gleichen Pfeile

Dein Gehirn schafft es nicht, sich auf unterschiedliches Flugverhalten einzustellen.

Methode 2: Verstelle nicht ständig Bogen oder Visier

Achte darauf, dass alle Komponenten Deiner Ausrüstung immer optimal eingestellt und aufeinander abgestimmt sind und verstelle sie nicht ständig.

Methode 3: Mache Dir einen Schussablauf und befolge ihn

Lerne diesen Schussablauf auswendig, sage ihn Dir bei jedem Schuss auf und führe ihn Schritt für Schritt aus. Konzentriere Dich dabei nur auf den Pfeil, den Du gerade verschießt.

Methode 4: Brich einen unstimmigen Schussablauf ab

Gewöhne Dir an, Deinen Schussablauf ohne nachzudenken, sofort abzubrechen, sobald Du merkst, dass Du einen Fehler gemacht hast oder sobald Du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmig ist.

Methode 5: Dokumentiere und werte jedes Training aus

Vergleiche, führe Statistiken, erstelle Diagramme von Deinen durchschnittlichen Ringzahlen und versuche Dich jedes Mal selbst zu übertreffen.

Methode 6: Suche Dir einen zuverlässigen, kompetenten Trainer oder zumindest einen Trainingspartner

Am Besten ist ein kompetenter Trainer, notfalls ein Trainingspartner. Erarbeite mit diesem zusammen Deinen Fortschritt.

Diese sechs Methoden machen Dich zu einem erfolgreichen Bogenschützen!

Du sagst: „Das ist alles viel zu viel Aufwand für ein Hobby“

Das mag sein, es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn Du nicht den Aufwand treiben, sondern den wundervollen Bogensport nur zu Deiner Entspannung nutzen möchtest.

Dann musst Du aber auch damit einverstanden sein, dass Du zu den Hobbyschützen gehörst und nicht zu den erfolgreichen Sportlern, die alle anderen in den Schatten stellen.

Begabung ist eine tolle Sache, aber nur Fleiß, Ausdauer und eiserne Disziplin, über Jahre hinweg ermöglichen den Erfolg!

Hier noch ein Tipp

Baue Unterbrechungen in Dein Training ein, mache auch Urlaub vom Sport. Ein bis zweimal pro Jahr solltest Du für eine Zeit Dein Training einstellen und etwas ganz anderes machen.

Wenn Du das ganze Jahr intensiv für den Bogensport trainierst, solltest Du im Urlaub auch Urlaub vom Bogenschießen machen.

Methode 7: Betreibe psychologisches Training

Es gibt noch eine siebte Methode zum Erfolg!

Diese ist aber nicht Bestandteil dieses Leitfadens.

Es handelt sich um die Psychologie. Hier sollen nur ein paar Schlagworte, wie die Goldangst, der Stress und die Übererregung genannt werden.

Solltest Du Dich für das psychologische Training interessieren, so nimm bitte mit dem BOGENPARADIES Kontakt auf. Im BOGENPARADIES arbeiten zertifizierte Trainer für den Bogensport, diplomierte Psychologen und Ergotherapeuten zusammen um den wunderbaren Bogensport zu optimieren.

Weitere Informationen erhältst Du unter http://bogenparadies.de oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Schlusssatz

Die hier dargestellten Methoden erscheinen, beim Lesen, sehr einfach. Dennoch sind es gerade diese Themen, die über Erfolg oder Niederlage entscheiden. Richtig! Es gibt eine Menge Sportler, die erfolgreich sind und nicht alle diese Methoden einsetzten. Da stellt sich die Frage: "Um wie viel erfolgreicher wären diese Sportler, wenn sie ALLE Methoden einsetzen würden?"

Ich habe vor einiger Zeit den Versuch gemacht und alle aktiven Bogenschützen meines Vereins aufgefordert, einen individuellen Schussablauf nieder zuschreiben. Ich erhielt genau einen einzigen Schussablauf und der war eher eine belanglose Grobfassung, als eine detaillierte Ausarbeitung. Auf Weltrangniveau werden solche Methoden eingesetzt. Mein persönlicher dokumentierter Schussablauf enthält über 60 Schritte, nur für einen einzigen Schuß. Dabei habe ich nur die sich wiederholenden Schritte dokumentiert, nicht z. B. den Stand, der ja nur einmal pro Passe eingenommen wird.